Gas

Die Küche ist stets Spiegelbild der Technik

Kochen und damit die Küchen wurden in der hinter uns liegenden Menschheitsgeschichte aufgrund des notwendigen offenen Feuers als sehr gefährlich für den normalen Wohnraum eingestuft. Kochstellen waren daher lange Zeit ganz außerhalb der Wohnungen. Erst seit dem Mittelalter, besonders in den Burgen des Mittelalters, wurde die Küche integriert. In ihr wurde allerdings stets reichlich Wasser aufbewahrt um im Falle eines umgreifenden Feuers sofort löschen zu können . Einige fortschrittliche Burgen hatten auch schon Kaminrohre zum Rauchabzug in den dicken Wänden eingebaut.

Erst mit dem geschlossenen Herd (Castrolherd 1735) wurde das Leben in der Küche und damit das Kochen sicherer. Der kurz darauf erfundene, leichtere Eisenherd war eine flexible Errungenschaft, der in den bürgerlichen Wohnungen Einzug fand. Für all diese Herdformen benötigte man noch offenes Feuer. Die Brennmaterialien waren in der Regel Holz oder später Kohle. Der Gasherd wurde erst um 1830 in England erfunden. Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago wurde ein erster Elektroherd vorgestellt. Damit brach eine völlig neue Ära für die Küchenraumgestaltung an.

Im gehobenen Bürgertum wurde um 1700 das Kochen dem Dienstpersonal überlassen und die Küche weit vom Wohnraum abgesondert. Qualm und Ruß wollte man sich nicht aussetzen. Auch nicht dem Trocknen, Pökeln und Räuchern von Lebensmitteln. Die häufig intensiven Gerüche wurden als unangenehm empfunden. Die Firma Weck erfand um 1900 das konservieren; erst um 1960 gehörte der Kühlschrank zur Standartausrüstung und veränderte erneut die Ausstattung, den Anspruch und die Planung von Küchen. 1926 wurde in Frankfurt am Main die Frankfurter Küche (später als Schwedenküche reimportiert) vorgestellt. Sie gilt als erste Einbauküche der Welt; sie war eine reine Arbeitsküche mit erheblich verbesserten Funktionen zu Lagerhaltung, Kühlung und zum Kochen: ihre hygienischen Vorteile waren enorm. Kochen und Küchen wurden aber immer noch nicht als Wohnraum gesehen sondern als laborartige Arbeitsstätten. Kochen wurde Aufgabe der nicht weiter berufstätigen Hausfrau, der man bei der Arbeit nicht zusehen wollte. Die Räume der damaligen Küche waren sehr klein. (Miniküche nur für eine Person)

Die Wiederentdeckung der Verbindung von Kochen und Essen erfolgte erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Hinzu kommt, dass auch Männer im Zuge des steigenden Interesses an Essen (und Kochen) als mehr als reine Sättigungsaktivität, das Bedürfnis auch mal “etwas zu kochen”. In den Grundrissen der Wohnungen wurden daraufhin langsam die Küchen wieder etwas größer. Frauen wurden zunehmend berufstätig und wollten daher in den verbleibenden Reststunden nicht unbemerkt und allein in der Küche arbeiten.

In den 70er Jahren gab es in vielen Küchen Essecken, in denen zumindest die Familien zum Frühstück oder Mittagessen zusammen aßen. Das Esszimmer wurde meist Sonntags, Abends oder zusammen mit Gästen benutzt. In dieser Zeit zeichneten sich auch die ersten ernsthaften Designtrends bei Küchen ab. Die Küche war in der Regel eine sehr funktionale Einbauküche in trendigen Farben und Ausführungen.

Seit den frühen 90er Jahren befindet sich die Küchenplanung auf dem Weg zur modernen Wohnküche. Essen und Kochen sind wieder integriert. Multifunktionalität, Convenience und Professionalität sind heute Eintrittskarten für den Markt. Frauen und Männer teilen sich zunehmend die Hausarbeit. Das Interesse an Kochen wächst. Die Medien greifen diesen Trend ja schon seit einigen Jahren mit etlichen Kochsendungen auf und haben damit viel zur Professionalisierung im Küchenbereich beigetragen. Internationalisierung und Globalisierung führen zu hohem Interesse an Rezepten, auch an exotischen Genüssen. In Singapur wie in Dortmund kann man Sushies und Sauerkraut bekommen.

Wie ist die Küche von Morgen?
Die Entwicklungen im Küchenmöbeldesign haben durch die interzum im Frühling des Jahres 2003 einen regelrechten Schub erlebt. Technische Möglichkeiten werden ausgeschöpft, Elektromotoren eingesetzt; Beschläge sind unhörbar in ihrer Benutzung. Der Trend geht zur Profiküche mit raffinierten Details. Von der Optik her wird die horizontale Linienführung im künftigen Küchenangebot zunehmen. Man wird viele helle Farben sehen können. Heutige Küchenvisionen zeigen Küchen, denen man die zahlreichen “Innereien” gar nicht mehr ansieht. Convenience und Professionalität werden für die Konsumenten von Morgen die wichtigste Rolle spielen. Die Stile sind dabei auch in Zukunft vielfältig. Küchen müssen allerdings für die meisten Verbraucher eher außergewöhnlich und vor allem sehr vielfältig im Design sein. Ein zukünftiger Küchentrend geht dabei in Richtung High-Tech. Ebenso gibt es Indizien dafür, dass die fast völlig “versteckbare” Küche eine Lösung für die Ansprüche der Verbraucher von Morgen wird. Viele Menschen wohnen in verschmolzenen Wohnbereichen, in denen man den Möbeln nicht mehr unbedingt die Funktion ansehen muss. Hypermodernes Küchenmöbeldesign wird insofern erwartet.



Einen eindeutigen Schwerpunkt kann die Trendforschung allerdings nicht ausmachen. Hier gilt - wie für jedes andere Möbelangebot auch –, dass der Vielfalt keine Grenzen gesetzt sind. Küchenmöbel werden auf der Internationalen Möbelmesse im Januar 2004 wieder in Köln nur zu sehen sein. Der Markts wird sich – wie auch in anderen Konsumgüterbereichen – in ausgabenbereite und sparende Kunden unterteilen. Diese Entwicklung führt zu einer noch weiteren Polarisierung der Märkte. Dadurch entsteht gerade bei den Küchen auch eine deutliche Teilung des Angebots in hochwertige und einfache Möbel wie Elektrogeräte.

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